• Claudia Ebbers

Schuster bleib bei deinen Leisten? Die verworrene Welt der Schuhgrößen 👟

Um Füßen einen thermischen und mechanischen Schutz zu bieten, hat sich in den meisten modernen Kulturen die Fußbekleidung durch Schuhe als selbstverständlicher Teil der Gesamtbekleidung etabliert. Sie müssen gut passen, damit die Füße nicht krank sowie in ihrer Funktionalität und Leistungsfähigkeit nicht zusätzlich eingeschränkt werden.


Früher hatte jeder Schuster seine Leisten: so heißen die Formstücke, die zum Bau eines Schuhs verwendet werden. Für jeden Fuß gab es einen eigenen Leisten. Doch dann kam die Industrialisierung und brachte die Massenproduktion. Plötzlich waren einheitliche Schuhgrößen gefragt.


Wie ist die Schuhgröße definiert?

Die Schuhgröße ist die Größe eines Schuhs oder Fußes. Die Länge des Fußes ist das am häufigsten verwendete Maß zur Bestimmung der Schuhgröße. .

Quelle: Wikipedia

Weil sich der Fuß bei der Schrittabwicklung im Moment des Abrollens nach vorne schiebt, ist die Innensohlenlänge im Schuh so zu bemessen, dass sich zusätzlich zur reinen Fußsohlenlänge ein gewisser Freiraum vor den Zehen ergibt: Diese Zugabe, so der Fachbegriff, beträgt etwa 15 Millimeter und ist bei der Wahl der richtigen Schuhlänge zu beachten, hängt aber stark von der Schuhform und Absatzhöhe ab.

Neben der Fußlänge findet immer häufiger auch die Fußweite in Form des Ballenmaßes Berücksichtigung. Hierzu wird der Umfang des Fußes an seiner breitesten Stelle, der Ballenlinie (gedachte Linie zwischen Ballen der großen und kleinen Zehen), gemessen.


Neben den Maßen ist auch die Form des Fußes entscheidend dafür, ob ein Schuh passt. Dieser Umstand findet bei nahezu keinem Schuhgrößensystem Berücksichtigung.

Meist beschränkt sie sich die Schuhgröße jedoch nur auf die mit einer Zahl ausgedrückte Angabe der Länge, da Schuhe in der Regel nur in einer Weite hergestellt werden.


Doch leider wird bis heute noch kein einheitliches Längenmaß für Schuhe genutzt.

Wie kommt das eigentlich?


Historische Entwicklung von Schuhmaßen Vor und teilweise während der Bronzezeit (2200 – 800 v Chr.) existierten z.B. aus Birkenbast geflochtene Schuhe, bei deren Her­stellung kein Unterschied zwischen rechtem und linkem Schuh gemacht wurde. Schuhe waren zunächst ein Privileg der reicheren Bevölkerung.

Mit der Herstellung “auf Vorrat” wurde festes Schuhwerk dann auch für die ärmere Bevölkerung erschwinglicher und die Nachfrage nach Schuhen nahm ihren historischen Lauf und es entstanden bereits die ersten Größensysteme.


Leider versäumten es die größer werdenden Schuhproduzenten, sich auf ein Maßsystem zu einigen. Und auch die sind von Hersteller zu Hersteller verschieden, da der eine die Fußinnenlänge als maßgebend ansieht, der andere die Schuhinnenlänge und wieder andere auch noch die Breite des Fußes/des Schuhs berücksichtigen.


So gibt es noch heute – im Wesentlichen – drei Maße: Das Französische, das Britische und das Amerikanische.

Quelle: roughlydaily.com

England: Barley Corn / “Size” shoe size

Glaubt man der Überlieferung, reichen die Ursprünge der Schuhgrößen bis in das Jahr 1324 (Mittelalter) zurück. Erfinder war König Edward II von England, der ein einheitliches Längenmaß einführte. „Ein Zoll seien drei Gerstenkörner“ (25,4mm), legte der König damals als das geltende Richtmaß (Barley Corn) fest. Man teilte das Zollmaß (Inch = 2,54 cm) in drei gleiche Teile und bezeichnete einen solchen Teil als "Size". Die Sizelänge beträgt somit 8,46 mm. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Unterteilung in halbe Sizelängen vorgenommen (4,23 mm), um die Passform zu verbessern.

Das Size- Schuhmaß beginnt erst nach 10,16 cm (4 Zoll oder 15 1/2 Stich). Von 0-13 Size (10,16 - 21,16 cm) gehen die englischen Kindergrößen. Die Erwachsenengrößen 1-14 Size (22-23 cm) schließen sich daran an.

Quelle: sioux.de

Frankreich: Pariser Stich

Mit diesem Maß-Stich, welches um 1800 in Frankreich festgelegt wurde, werden die Sohle und der obere Teil des Schuhs miteinander vernäht. Ein Pariser Stich ist immer 0,6666 Zentimeter lang. Die Leistenlänge ist in der Regel 1,5 bis 2 Zentimeter länger als die Fußlänge. Der Pariser Stich ist die Grundlage des europäischen Maßes


USA: Boston Foot Sizing System IIn Nordamerika wird auch das englische Maßsystem verwendet. Das amerikanische Maßsystem unterscheidet sich vom englischen dadurch, dass es um ein Zwölftel Zoll eher beginnt (3 11/12 Inch). Dieser kleine Unterschied dient dazu, mit dem französischen und metrischen System auf eine Linie zu kommen. Das amerikanische Maßsystem der Größe 0 beginnt genau bei 15 Stich.

Die Längenabstufung ist um 2,43 mm (6,66 mm - 4,23 mm = 2,43 mm) kleiner als beim Stichmaß und die Passfähigkeit deshalb besser.

Allerdings ist auch ein größeres Leistensortiment, mehr Stanzmesser usw. notwendig.

USA: Brannock Size

Eine etwas andere Größenbestimmungsmethode basiert auf dem Brannock-Gerät, einem Messinstrument, das 1925 von Charles F. Brannock erfunden wurde und heute in vielen Schuhgeschäften zu finden ist. Die vom Brannock-Gerät verwendete Formel geht von einer Fußlänge aus, die 1,7 cm kleiner ist als die Länge des Leistens; somit entspricht die Herrengröße 1 einer Fußlänge von 19,47 cm. Das Gerät misst auch die Länge des Fußgewölbes bzw. den Abstand zwischen Ferse und Ballen (Mittelfußkopf) des Fußes. Für diese Messung verfügt das Gerät über eine kürzere Skala am Fußspann mit einem Indikator, der sich in Position schieben lässt. Zeigt diese Skala eine größere Größe an, wird diese anstelle der Fußlänge genommen, um die richtige Anpassung zu gewährleisten.


Quelle zumba.com

Über Jahrhunderte hinweg entwickelten sich somit die unterschiedlichen Systeme, deren man bis heute über entsprechende Umrechnungstabellen versucht, Herr zu werden.


Schuhgrößen-Guide pro Designer (für Interessierte) :

https://turnabout.com/pages/shoe-size-guide


Die Internationale Organisation für Normung, ISO, Genf, mit 87 Mitgliedsstaaten, wollte im Jahre 1991 eine Vereinheitlichung der Schuhmaße einführen, was allerdings nur teilweise gelungen ist.


Mondosystem (ISO 9407) Das neue Schuhmaß - Mondopoint (Mondo: Welt) genannt - sollte nach und nach allgemein eingeführt werden. Bei dem Mondopoint-System wird die Fußlänge im Stehen gemessen und nicht die Leistenlänge. Deshalb müssen die normalen Spitzenzugaben (10 - 15 mm) bei der Umrechnung von Stich oder Size in Mondopoint zuerst abgezogen werden.

Das Mondopoint-Schuhlängensystem wird hauptsächlich in der Sportindustrie zur Größenbestimmung von Sportschuhen, Skischuhen, Schlittschuhen und Spitzenballettschuhen verwendet, hat es aber nicht geschafft, als einheitliches System verwendet zu werden. Es wurde jedoch auch als primäres Schuhgrößensystem in der Sowjetunion, Russland, Ostdeutschland, China, Japan, Taiwan und Südkorea und als optionales System in Großbritannien, Indien, Mexiko und europäischen Ländern übernommen. Das Mondopoint-System wird auch von der NATO und anderen Militärdiensten verwendet.


Es gibt somit immer noch mehrere verschiedene, nebeneinander existierende, historisch gewachsene Schuhgrößen-Systeme, teils mit nationalen Schwerpunkten. Sie unterscheiden sich in der Bezugsgröße, der Maßeinheit oder dem Skalen-Nullpunkt. Nur ein Teil der Systeme bezieht neben der Fußlänge auch die Fußbreite ein, sodass hierfür oft nicht standardisierte, herstellerspezifische Bezeichnungen in Gebrauch sind.

Für den passenden Schuh ist übrigens nicht nur die Schuhgröße an sich wichtig.

Entscheidend ist auch die Uhrzeit des Kaufs, denn ein Fuß dehnt sich im Laufe des Tages aus. In der Länge um einige Millimeter, in der Breite sogar bis zu einem Zentimeter. Daher ist es ratsam, den Schuhkauf auf den Nachmittag oder den Abend zu legen.